Ein erweiterter Suizid, der keiner ist

In Lindow wurde ein Ehepaar tot aufgefunden – es ging durch alle Zeitungen und auch die Nachrichten mehrerer Sender berichteten davon. Häufig fiel dabei der Begriff "erweiterter Suizid". Wer hier an ein altes, glückliches
Ehepaar denkt, das freiwillig gemeinsam aus dem Leben gegangen ist, weil
keiner den anderen überleben wollte, hat weit gefehlt.


Häufig bezeichnet ein "erweiterter Suizid" die Tötung der Partnerin mit anschließendem Suizid des Täters. Mitunter werden dabei auch die anwesenden Kinder getötet. Die Frau ist also nicht suizidal, sie scheidet nicht freiwillig aus ihrem Leben und Kinder schon gar nicht. Weiter hieß es in den Zeitungen und Nachrichten zu Lindow, dass vermutlich ein Ehestreit eskalierte, mitunter als "Familiendrama" bezeichnet. Ein Streit, der aus dem Ruder gelaufen ist? Eine Tat im Affekt? Das klingt wie etwas, woran beide Schuld tragen. Auch hier, weit gefehlt.


Tötungen von Partnerinnen sind in der Mehrzahl durchaus geplante Taten und die Mehrzahl der Täter war schon vor dem Tötungsdelikt gewalttätig gegen die Partnerin.1 Häufig, aber nicht immer geht die Gewalt mit körperlicher oder sexualisierter Gewalt einher. Gewalt kann aber auch andere Formen annehmen: Eifersucht, Kontrollverhalten, Herabsetzungen, immer seiner Meinung sein müssen, Isolation von Verwandten und Freundschaften, keine eigenen Entscheidungen treffen dürfen und vieles mehr an emotionaler und psychischer Gewalt. Diese Formen der Gewalt sind nach außen nicht immer sichtbar.


Aber gleich, welche Art von Gewalt eine Frau in ihrer Beziehung erlebt, es besteht ein hohes Risiko eines Tötungsdelikts, wenn sich die Frau aus dieser Gewalt und Kontrolle befreien will. So heißt es in der Pressemitteilung der Universität Tübingen und dem Kriminologisches Forschungsinstitut
Niedersachsen zur gemeinsam veröffentlichten, aktuellen Studie "Femizide in Deutschland": "Partnerinnenfemizide im Zusammenhang mit Trennung oder Eifersucht sind mit Abstand die häufigste Form von Femiziden in Deutschland." Wie eine Zeitung als "Update" berichtete, stand auch der Mord in Lindow im Zusammenhang mit einer beabsichtigten Trennung.
 

Begriffe wie "erweiterter Suizid", "Familiendrama", "eskalierter Streit zwischen Eheleuten" verschleiern die Realität und schreiben dem Opfer eine hohe Mitschuld zu. Sie verkennen die Dynamik in Gewaltbeziehungen und die Schuld und Absicht des Täters. Es ist keine verständliche und
entschuldbare Verhaltensweise, bei einem Ehestreit "die Nerven zu verlieren" und die Partnerin zu töten. Wer einer anderen Person das Leben nimmt, hat dafür die volle Verantwortung und muss auch zur Verantwortung gezogen werden.


Es wird Zeit für eine andere Sprachregelung. Gewaltverhalten muss als Gewalt benannt werden, ohne den Ermordeten dafür eine Mitschuld zu geben.

1 Cf.
Monckton-Smith, J. (2021). In Control. Dangerous Relationships and how they end in Murder. Bloomsbury Publishing. Kinzig,J., Bartsch, T., Hellmann, D. (2025), Femizide in Deutschland. Eine empirisch-kriminologische Untersuchung zur Tötung an Frauen. Universität Tübingen und Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen
 

Vorstellung des Arbeitskreises

Am 25. November 2024 wurde in Ostprignitz-Ruppin ein starkes Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen gesetzt.

Um 11 Uhr wurde eine Flagge am Alten Gymnasium in Neuruppin gehisst, begleitet von einem Musiker des Landespolizeiorchesters Brandenburg. Diese Flagge war eine Woche lang sichtbar und machte auf die anhaltende Notwendigkeit aufmerksam, gegen Gewalt vorzugehen. Der Arbeitskreis "Schutz bei häuslicher Gewalt im Landkreis OPR" nutzte diese Gelegenheit, um an diesem Tag diese Website erstmalig der Öffentlichkeit vorzustellen. Die Webseite konnte mit Hilfe des brandenburgischen Landespräventionspreises, der 2022 gewonnen wurde, finanziert werden. Der Preis würdigt innovative Ansätze zur Kriminalitätsprävention und ermöglicht es dem Arbeitskreis, seine Arbeit bekannter zu machen und somit den Schutz für Opfer von häuslicher Gewalt weiter zu verbessern. An die Hauptakteure des Arbeitskreises, wurden in diesem Rahmen Häuschen verteilt, die als Werbeträger dienen. Darauf befindet sich das Logo und der QR-Code zur Webseite.

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